News und Beiträge ·  14. Dezember 2021

NFT Tickets – ein realistischer Blick auf einen grossen Trend

(An English translation of this article is available here)

Ein neues Buzzword macht die Runde in der Event-Ticketing-Branche: NFTs! Als neue Art von Tickets basierend auf der Blockchain sollen damit viele Herausforderungen der Ticketing-Welt gelöst werden.

Was kann diese neue Technologie wirklich? Wir haben genau hingeschaut.

Inhaltsverzeichnis



Dezentrale abgelegte Daten in der Blockchain beflügeln die Fantasie von Entwicklern und Marketingleuten. Was steckt dahinter?

Die Grundlagen

NFTs – was ist das eigentlich?

NFTs sind eine bestimmte Art digitaler Dokumente. Die Abkürzung NFT steht für Non-Fungible Token – zu Deutsch ein nicht-ersetzbares digitales Objekt.

Ein NFT weist Eigenschaften auf, die es von anderen digitalen Formaten unterscheidet: Es ist nicht-ersetzbar und nicht kopierbar. Deshalb kann ein NFT immer nur einem einzigen Eigentümer gehören.

Ein Vergleich: Sie haben zwei Zehnernoten und vier Fünfliber in Ihrem Portemonnaie. Wenn Sie nun zehn Franken bezahlen müssen, können Sie dazu eine beliebige Zehnernote oder zwei beliebige Fünfliber nehmen. Es spielt keine Rolle welche einzelne Münze oder Banknote Sie genau wählen. Alle sind untereinander austauschbar. Wenn hingegen im Louvre die Mona Lisa gestohlen würde, liesse sich diese nicht ohne Wertverlust durch eine gleichaussehende Kopie austauschen. Es handelt sich um ein nicht-ersetzbares Einzelstück.

Daraus folgt, dass ein NFT, wie die Mona Lisa, immer nur einen Eigentümer haben kann. Auch dazu ein Vergleich: Wenn Sie ein Foto aus Ihrer Handykamera in bestmöglicher Qualität an einen Freund weiterschicken, besitzen anschliessend beide das exakt gleiche Dokument. Ein NFT verhält sich aber wie ein physisches Objekt. Wenn Sie ein NFT an Ihren Freund weiterschicken, besitzt anschliessend er dieses Dokument. Sie haben es nicht mehr. Es gehört nun jemand anderem.

Ermöglicht wird dieses Verhalten durch eine Blockchain. Eine Blockchain lässt sich vereinfacht als Notizbuch vorstellen, in welchem in einer Liste festgehalten wird, wem welches Objekt gerade gehört und von wem dieses übertragen wurde. Wenn eine Seite vollgeschrieben ist, wird diese kopiert und an viele andere Leute verteilt. So wird verunmöglicht, dass jemand die Einträge in seinem Notizbuch nachträglich verändert. Das würde beim Vergleich mit den anderen Exemplaren auffliegen, welche dezentral von verschiedenen Leuten an verschiedenen Orten aufbewahrt und nachgeführt werden.

In Wirklichkeit werden Blockchains natürlich nicht auf Papier betrieben, sondern auf Computern. Es gibt unterschiedliche Blockchains, welche alle ihre Eigenheiten, Stärken und Schwächen haben. Es erfordert tiefgehendes fachliches Know-How, um die Unterschiede zu erkennen und zu verstehen.

Integriertes Bezahlsystem

Die Buchführer, welche das Notizbuch bzw. die Blockchain nachtragen, machen dies nicht kostenlos. Sie wollen für ihren Aufwand bezahlt werden. Deshalb ist es Bestandteil einer Blockchain, dass für jeden neuen Eintrag eine Gebühr fällig wird – humorvoll Gas Fee genannt, die Benzinkosten.

Darum ist in jeder Blockchain ein Bezahlsystem gleich mit dabei. Bezahlt wird mit einer Krypto-Währung, wobei jede Blockchain ihre eigene Währung hat. Sie haben bestimmt schon von Bitcoins gehört, welche sich technisch aber nicht für NFTs eignen. Für NFTs bezahlt man eher in Ethers oder damit verwandten Währungen. Krypto-Währungen kann man in digitalen Wechselstuben mit der Kreditkarte kaufen, beispielweise bei Swissquote oder Coinbase. Gespeichert werden Krypto-Währungen in einem Wallet, einem digitalen Portemonnaie, das beispielsweise als App auf dem Handy läuft. Der praktischen Nutzen von Krypto-Währungen ist im Alltag jedoch (noch) sehr begrenzt und das Risiko für Anleger, die in Bitcoins statt in Gold oder Aktien investieren, ist hoch.

Wenn ein NFT von einer Person auf die andere übertragen wird, kann nebst der Gas Fee gleichzeitig auch der eigentliche Kaufpreis mit Krypto-Währung beglichen werden. Das NFT geht an Ihren Freund, Sie erhalten im Gegenzug den dafür geforderten Betrag. Beide Vorgänge geschehen zeitgleich und lassen sich nicht voneinander trennen.

Eingebaute Intelligenz

Noch etwas unterscheidet NFTs von anderen digitalen Dokumenten: sie können eigene Logik enthalten. Dazu sind sie an einen Smart Contract gebunden. Das ist ein kleines Computerprogramm, welches bei bestimmten Aktionen ausgeführt wird – zum Beispiel beim Verkauf.

Der Smart Contract könnte beispielsweise automatisieren, dass beim Weiterverkauf eines NFTs ein gewisser Prozentsatz des Kaufpreises an den ursprünglichen Ersteller zurückfliesst. Die Weitergabe könnte auch ganz unterbunden werden, oder der Preis des NFTs kann nach unten oder oben limitiert sein.

All diese Möglichkeiten haben inbesondere digitale Künstler auf NFTs aufmerksam gemacht. Ihre Werke werden auf Marktplätzen wie OpenSea gehandelt, wobei teilweise Millionen-Beträge bezahlt werden.


Das Handy immer mit dabei – gehört ein NFT-Ticket drauf?

Perfekt geeignet als Event-Tickets?

Führt man sich die Eigenheiten von NFTs vors Auge, landet man rasch einmal beim Event-Ticketing. Vieles passt offenbar zusammen:

Nicht-ersetzbar: Den Platz 3 in Reihe 5 am Samstag Abend im Stadttheater gibt es nur einmal. Kein anderes Ticket gewährt das Anrecht auf diesen Platz zur gleichen Zeit.

Nur ein Eigentümer: Nur eine Person kann das gültige Ticket für diesen Platz an jenem Abend besitzen. Wird das Ticket an jemand anders weitergegeben, verliert man das Anrecht auf diesen Platz.

Mit integrierter Bezahlmöglichkeit: Ein Ticket ist meistens kostenpflichtig. Wenn die Übergabe des Tickets und der Vorgang der Bezahlung aneinander gekoppelt sind, wird Zechprellerei unmöglich.

Mit eingebauter Intelligenz: Wenn beim Weiterverkauf eines Tickets ein Betrag zurück an den Veranstalter fliesst oder wenn eine Weitergabe an einen anderen Eigentümer ganz verunmöglicht wird, scheinen sich diverse Event-Ticketing-Probleme wie Wucher auf dem Zweitmarkt oder die Anwesenheit von Hooligans am Fussballspiel in Luft aufzulösen.

Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. Auch die Blockchain hat ihre Schwächen.

Die Nachteile der Blockchain

Die technische Funktionsweise einer Blockchain ist höchst ineffizient. Im Vergleich zu einer klassischen Datenspeicherung in einer Datenbank ist eine Transaktion auf der Blockchain um ein Vielfaches langsamer und energieaufwändiger. Und auch wenn neue Blockchain-Lösungen in dieser Hinsicht viel besser geworden sind als die berüchtigt energiefressende Bitcoin-Blockchain, wird eine dezentralisierte Lösung in dieser Hinsicht nie besser dastehen als eine klassische Speicherung in einer Datenbank.

Eine Blockchain ist höchst unflexibel. Einmal in der Blockchain gespeicherte Inhalte können nie mehr verändert oder gelöscht werden. Inhalte, die veränderbar oder löschbar sein sollen, müssen ausserhalb der Blockchain gespeichert und verwaltet werden. Im Event-Ticketing könnten dies Namen der Ticketinhaber sein, die aus rechtlichen Gründen gesammelt aber nach gewisser Zeit auch wieder gelöscht werden müssen (Hallo, Covid-Contact-Tracing!). Der Veranstalter oder Ticketinganbieter muss diese Daten somit andernorts ablegen und bleibt damit als zentraler Speicherort bestehen.

Blockchain-Anwender sind auf sich selbst gestellt. Wer den Zugang zu seinem Wallet verliert, hat keinen Kundendienst, den man anrufen kann und der einem hilft. Das Guthaben sowie die gesammelten NFTs oder Tickets sind unwiderrufbar verloren. Zwar könnte ein Ticketinganbieter Möglichkeiten bieten, um den Zugriff wieder zu erlangen. In diesem Fall wäre aber der Ticketinganbieter der eigentliche Eigentümer der Tickets und nicht der Event-Besucher. Wieder würde die Blockchain ad-absurdum geführt.

Die fehlende Notwendigkeit

Die Verhaltenweise einer Blockchain bringt in letzter Konsequenz vor allem einen Vorteil mit sich: Durch die Dezentralisierung wird Vertrauen geschaffen, wo keine Vertrauensperson vorhanden ist. Das beste Beispiel dafür ist der Bitcoin als digitale Währung. Die technische Funktionsweise der Blockchain erlaubt Geld-Überweisungen und die Verwaltung von Kontoständen ohne eine Bank, welche die Richtigkeit und Akzeptanz der Daten garantieren würde. Diese Rolle wird durch die technische Funktionsweise der Blockchain übernommen.

Doch im Event-Ticketing gibt es dazu einen grundlegenden Unterschied: Mit dem Veranstalter besteht immer eine zentrale Einheit, der man vertrauen muss. Als Event-Besucher kommt man nicht darumherum, daran zu glauben, dass das gekaufte Ticket am Einlass akzeptiert und der Anlass wie beworben durchgeführt wird.

Da bei einem Event also ohnehin eine zentrale Stelle die Regeln bestimmt und Vertrauen erfordert, gibt es keine Notwendigkeit für ein ineffizientes, dezentrales System.


Faktenchecker bei der Arbeit: So könnte das ausgesehen haben.

Sechs Behauptungen auf dem Prüfstand

Doch überwiegen die Vorteile unterm Strich vielleicht doch? Gehen wir nachfolgend sechs Behauptungen auf den Grund, die von Verfechtern von NFT-Ticketing ins Feld geführt werden.

Behauptung 1NFT-Tickets eignen sich als digitale Erinnerungsstücke

Ein gebrauchtes Event-Ticket an der Kühlschranktür ist ein Souvenir, das schöne Erinnerungen weckt. Mit der Zeit mag ein solches Ticket sogar finanziell an Wert gewinnen und zum gefragten Sammlerstück werden.

NFTs eignen sich als nicht-ersetzbares Einzelstück sehr gut dafür, solche Erinnerungswerte für Event-Besuchern auch in digitaler Form zu generieren, als sogenanntes Collectible (Sammlerstück) .

Als Veranstalter könnten Sie beispielsweise einen Filmausschnitt der gesehenen Performance oder das Event-Poster für Ihre Gäste als NFT verfügbar machen – vielleicht sogar mit personalisierten, individuellen Inhalten pro Gast, was den Wert des einzelnen Erinnerungsstücks steigert. Die Ticketkäufer*innen können nach dem Anlass auf Ihr persönliches Collectible zugreifen und dieses in ihr persönliches Krypto-Wallet übertragen. Dort kann man seine persönlichen Souvenirs sammeln oder diese auch auf einem NFT-Marktplatz als Sammlerstück weiterverkaufen.

Fazit:
Stimmt. NFT-Tickets eignen sich sehr gut als digitale Souvenirs, für sich selbst und zum Handel damit. Es muss sich jedoch noch zeigen, wieviele Event-Benutzer effektiv ein Bedürfnis danach haben.

Behauptung 2:NFT-Tickets verunmöglichen einen überteuerten Zweitmarkt

Der Ticket-Zweitmarkt ist Veranstaltern und Fans ein Dorn im Auge. Es ist ärgerlich, wenn ein Anlass ausverkauft ist und die Tickets stattdessen auf einschlägigen Plattformen zu einem viel höheren Preis angeboten werden.

Die Möglichkeit, den Weiterverkaufspreis eines Tickets durch Smart Contracts technisch einschränken zu können, erscheint da attraktiv. Doch dadurch fällt die Möglichkeit alternativer Bezahlungswege nicht weg. Bei einem gefragten Event würde ein Wiederverkäufer durchwegs Käufer finden, die bereit sind, ausserhalb der Blockchain einen zusätzlichen Betrag zu bezahlen, um an das Ticket zu gelangen.

Selbst wenn eine Weitergabe des Tickets ganz verunmöglicht wird, ist nicht ausgeschlossen, dass es lukrativ sein kann, das gesamte Wallet inkl. Träger (z.B. einem günstigen Handy) an den Käufer weiterzugeben.

Die wirkliche Lösung für eine Eingrenzung des Zweitmarkts sind personalisierte Tickets. Dafür sind NFTs jedoch auch die falsche Lösung, wie die nächste Behauptung zeigt.

Fazit:
Stimmt teilweise. Durch NFT-Tickets kann der überteuerte Weiterverkauf erschwert, aber nicht verunmöglicht werden. Die eigentliche Lösung sind personalisierte Tickets mit Identitätskontrolle.

Behauptung 3:NFT-Tickets ermöglichen personalisierte Tickets

NFT-Tickets sind zwar an ein bestimmtes Wallet gebunden. Der Zugang zu einem Wallet kann jedoch problemlos an eine andere Person weitergegeben werden. Der wirkliche Inhaber bleibt grundsätzlich erst mal anonym.

Soll ein Wallet mit der Identität des Inhabers verknüpft werden, sind dazu dieselben aufwändigen Prozesse nötig wie es heute bei einem klassischen Event-Ticket der Fall ist: Es muss ein Identitätsdokument hinterlegt und am Einlass geprüft werden. Ein NFT-Ticket bringt diesbezüglich keinerlei Vereinfachung. Stattdessen stellt sich zusätzlich wiederum die Frage, welche Daten unlöschbar auf der Blockchain gespeichert würden und welche doch zentral verwaltet werden müssen. Dasselbe Prinzip gilt, wenn ein Wallet an einen Login mit Benuterzname und Passwort gebunden werden soll.

Die wirkliche Lösung für eine vereinfachte Ausstellung personalisierter Tickets wird die elektronische ID sein. Wird diese richtig umgesetzt, kann jedes Ticket digital mit der ID verbunden werden und die Überprüfung am Einlass automatisiert erfolgen.

Fazit:
Falsch. Das technische Mittel um personalisierte Tickets zum Standard zu machen ist nicht die Blockchain, sondern die elektronische ID.

Behauptung 4:NFT-Tickets verunmöglichen Ticketfälschungen

Es ist richtig, dass ein NFT-Ticket nicht vervielfacht werden kann. Doch das ist gar nicht nötig, um mit krimineller Energie jemandem ein ungültiges Ticket zu verkaufen.

Ein Schwachpunkt beim NFT-Ticket ist, dass dieses am Einlass des Events überprüft werden muss. Dazu braucht es eine Repräsentation des Tickets, beispielsweise als QR-Code oder als kontaktlose Datenübermittlung (wie bei einer kontaktlosen Bezahlung). Wenn es möglich ist, diese Repräsentation zu kopieren, kann dasselbe Ticket mehrmals in Umlauf kommen – ein klassisches Betrugsmuster bei digitalen Tickets.

Nun gibt es natürlich Wege, diese Repräsentation unfälschbar zu machen. Ein QR-Code innerhalb einer Ticket-App kann so programmiert werden, dass er sich alle paar Sekunden verändert und immer nur die aktuellste Version akzeptiert wird am Einlass. Wer das Ticket nicht innerhalb der App mit dabei hat, sondern beispielsweise nur als Screenshot, bekommt keinen Einlass. Dies ist aber wiederum eine Lösung, welche keine NFT-Tickets erfordert. Ticketpark hat eine solche Lösung bereits 2012 präsentiert. Dasselbe Prinzip wird an Events mit grossem Betrugsrisiko heute weltweit eingesetzt, ganz ohne Blockchain.

Ein unehrlicher Verkäufer könnte auch NFT-Tickets für Events erstellen, die entweder gar nicht stattfinden oder einem tatsächlich stattfindenen Anlass sehr ähnlich sehen. Um die Echtheit eines Tickets verifizieren zu können, müsste ein potenzieller Käufer diese zuerst überprüfen. Das würde er bei der einen Partei machen, der er ohnehin vertrauen schenken muss: dem Veranstalter bzw. dessen Ticketinganbieter. Womit wir wiederum beim Punkt sind, dass es beim Event-Ticketing kein dezentrales System braucht, da es die zentrale Vertrauensperson ohnehin gibt.

Fazit:
Falsch. Wirksame Mittel gegen Ticketkopien gibt es bereits heute und haben nichts mit NFT-Technologie zu tun. Wer kriminelle Energie aufwendet wird zudem immer Wege finden, seine Opfer zu täuschen.

Behauptung 5:NFT-Tickets senken die Kosten für Veranstalter

Vergleicht man die Kosten eines Ticketingpartners mit den Kosten die anfallen, um ein NFT-Ticket auf der Blockchain zu erstellen und zu verkaufen, ist letzteres (die richtige Blockchain vorausgesetzt) natürlich viel günstiger. Allerdings ist dies auch ein Vergleich zwischen Äpfel und Birnen.

Der Ticketinganbieter wird heute nicht für das reine Abspeichern in der Datenbank und das Inkasso bezahlt. Stattdessen bezieht man eine Gesamtdienstleistung welche technische Entwicklung, Beratung und zusätzliche Dienstleistungen in Bereichen wie Support, Kundenmanagement, Datenauswertung oder Marketing beinhaltet.

So wie die meisten Veranstalter heute kein eigenes Ticketingsystem entwickeln und betreiben, würden die meisten auch die weitaus komplexere Handhabung einer Blockchain-Anbindung nicht selbst umsetzen wollen. Auch für ein NFT-Ticketing braucht es Dritt-Dienstleister und Experten.

Fazit:
Falsch. Die Kosten für ein Ticketing entstehen nicht durch Datenspeicherung und Inkasso, sondern durch Dienstleistungen, die Veranstalter nicht selbst erbringen können oder wollen.

Behauptung 6:NFT-Tickets erschliessen neue Finanzierungsquellen

Ein häufig gehörter Anwendungsfall von NFTs funktioniert wie folgt: Fans kaufen sich Anteile an einem geplanten Musikalbum oder bereits im Vorfeld Tickets für einen Event und finanzieren so dessen Entstehung. Dem Fan gehört nun ein kleiner Teil dieses Kunstwerks und er kann an dessen Erfolg mitverdienen. Gleichzeitig erhält der Künstler wiederum einen Prozentsatz des Preises, wenn der Fan seinen Anteil weiterverkauft. Dank Smart Contracts läuft das alles automatisiert.

Technisch würde dieses Konzept einwandfrei funktionieren – vorausgesetzt Künstler und Ticketinhaber verhalten sich fair und wickeln ihre Einnahmen und Transaktionen über den vorgesehenen Blockchain-Kanal ab. Nur ist das Grundlegende daran nicht neu.

Bereits heute kann durch Crowdfunding eine Produktion direkt durch die Fans finanziert werden. Bereits heute steht es dem Künstler frei, welche Benefits er im Gegenzug den Fans gewährt. Voraussetzung ist, dass schon eine zahlungswillige Fan-Basis besteht. Das Community-Building muss immer noch zuerst kommen. Wer keine Menschen erreicht, generiert auch keine Einnahmen.

Auch müssen die bestehenden Veträge der Künstler solche Konzepte zuerst erlauben – und sie müssen bei einer Umsetzung mit NFTs auch entsprechend beteiligt werden.

Fazit:
Stimmt teilweise. Durch Smart Contracts sind interessante Konzepte mit automatisierten Kickbacks möglich. Davon profitieren kann jedoch nur, wer bereits eine zahlunsgwillige Community aufgebaut hat.


Vor lauter Aufregung die Orientierung verlieren? Kann passieren. Auch im Technologie-Dschungel.

Mehr Hype als Nutzen

Sind NFTs die Zukunft des Event-Ticketings? Eher nicht – zumindest nicht in der Form, wie sie heute diskutiert werden.

Für Besitzer eines Krypto-Wallets kann es ganz nett sein, nach dem Besuch eines Anlasses ein entsprechendes Andenken als NFT zu erhalten. Wir bei Ticketpark haben uns das technische Wissen dazu angeignet und können diese Option Veranstaltern anbieten. Ob Event-Besucher diese Möglichkeit wahrnehmen wollen, muss sich noch zeigen – und erst recht, ob sich dann auch ein Markt bietet, wo solche Andenken effektiv gehandelt werden.

Wenns ums eigentliche Ticketing geht, lösen NFTs keine der heutigen Herausforderungen. Weder kann dadurch ein überteuerter Zweitmarkt vermieden, noch Betrug verunmöglicht, noch eine Personalisierung angeboten werden. Durch die zentralisierte Naturs eines Events werden einige dieser Themen mit einer dezentralen Technologie sogar noch schwieriger zu handhaben. Ganz abgesehen davon, dass die allermeisten Events solchen Problemen gar nicht gegenüberstehen.



Zitate aus Jurassic Park untermauern jedes starke Argument.


Die eigentlichen Lösungen liegen nicht in der Dezentralisierung, sondern in der vollständigen Digitalisierung. Die elektronische ID wird dabei den grössten Sprung auslösen. Wenn Tickets dadurch einfacher personalisiert werden können, werden als Folge sowohl ein unerwünschter Zweitmarkt als auch der Betrug praktisch verunmöglicht. Vorausgesetzt, der Veranstalter ist willig, die Flexibilität für Ticketkäufer einzugrenzen. Eine spontane Weitergabe von Tickets wird dann auch im Freundeskreis schwieriger oder gar unmöglich.

Die Blockchain als Vertriebskanal

Einen interessanten Anwendungsfall für NFT-Tickets gibt es jedoch: Interessant wäre die Blockchain dann, wenn sie als zentrales, unabhängiges Vertriebsnetz eingesetzt würde. Veranstaltende könnten ihre Tickets in den Verkauf geben, ohne einen Exklusivvertrag mit einem Ticketvermarkter abzuschliessen – ganz nach dem Motto «kill the middleman». Verkaufsplattformen könnten Tickets für jeden beliebigen Event anbieten, würden dadurch nun aber untereinander im Wettbewerb stehen. Profiteure wären die Event-Besuchenden, welche beim Kauf ihres Tickets neu die Wahl hätten, auf welcher Plattform sie dies tun möchten.

Auch dieses Szenario wirft noch viele Fragen auf. Und es würde bedeuten, dass sich ein grosser Teil aller Veranstalter auf ein gemeinsames Blockchain-Protokoll einigt. Bloss Vision oder Revolution? Wir bleiben dran.

Und was denken Sie?

Ob klassisches Ticketing oder neue zukunftsträchtige Visionen: Wir tauschen uns gerne zu allem rund um Events und Ticketing aus. Sie erreichen uns auf beratung@ticketpark.ch.