News und Beiträge ·  3. Februar 2021

Nach stream21: Die Zeit ist reif für digitale Kultur

Ende Januar 2021 fand mit stream21 das erste Streamingfestival der Bühnenkunst statt. Ticketpark engagierte sich bei diesem Anlass als Hauptpartner.

Der Anlass hat klar gezeigt: Die Zeit ist reif für digitale Kultur!

Der stream21-Talk in voller Länge zum Nachschauen. Es war gehaltvoll und unterhaltsam. Viel Vergnügen!

Das Publikum liebt digitale Interaktion

Von sieben kulturellen Programmpunkten beinhalteten drei die Möglichkeit fürs Publikum, sich interaktiv einzubringen. Dazu wurde slido eingesetzt, eine webbasierte Anwendung fürs Smartphone, die aber keine App-Installation erfordert.

Die Zuschauerinnen und Zuschauer waren von dieser Möglichkeit begeistert und die Beteiligung entsprechend hoch. Mehr als die Hälfte der zugeschalteten Haushalte beteiligte sich an den Interaktionsmöglichkeiten.

Konkret konnte beim Auftritt von Ueli Schmezer’s MatterLive die Setlist mitbestimmt werden: Soll Mani Matters Ode an Heidi oder an Eisi besungen werden? Eisi hatte die Nase vorn. Als Grande Finale favorisierte die Zuschauerschaft hauchdünn Dr Alpeflug vor Hemmige. Die Band liess es sich in ihrer Spielfreude nicht nehmen, die vereinbarte Auftrittszeit zu überziehen und trotzdem beide Songs zu spielen. Die Faszination von live, wo jederzeit alles geschehen kann, kam hier bestens zu Geltung.


Ueli Schmezer’s MatterLive, mit Gitarrist Nick Perrin, Frontmann Ueli Schmezer, Bassist Michel Poffet und Perkussionist Andi Pupato in purer Spiellaune am stream21. (Foto: Severin Bigler/CHMedia)

Reggae-Künstler Collie Herb brachte sonnige Beats ans Festival, als läge die Schweiz an einem Palmenstrand. Dabei improvisierte er bei seinem über Zoom zugeschaltenen Auftritt zu Stichworten, welche ihm das Publikum zuspielte und generierte ein einmaliges Kunstwerk, bei welchem jene auf dem heimischen Sofa zu Mitkomponisten wurden.

Das Highlight in Sachen Zuschauerbeteilugung bildete der interaktive Theatersport. Die Stegreif-Profis von Improphil und WinterthurTS hatten sich wahrlich nicht über fehlende Eingaben von Ideen zu beklagen. In nicht weniger als 17 Input- und Abstimmungsrunden blieb das Publikum über 70 Minuten lang an der Stange und lieferte einen absurden Vorschlag nach dem anderen. Das humorvolle Resultat auf der Bühne sorgte für viele herzhafte Lacher im Produktionsteam und bei den Zuschauerinnen und Zuschauern zuhause.

«Ich hatte das Gefühl, ich sei im Theater.»Zuschauerinfeedback von Bettina S. aus Mittelhäusern

«Endlich wieder mal Krümmen vor Lachen, war super! Besonders unterhaltsam, dass man live Einfluss nehmen konnte und auch die Ideen der anderen Zuschauer mitverfolgen konnte.»Zuschauerinfeedback von Sara W. aus Bern


Reto Bernhard, Kathrin Fischer, Vlado Salji und Musiker Christian Riesen zeigten grosse Improvisationskunst mit digital übermittelten Inputs des Publikums. (Foto: Severin Bigler/CHMedia)

Eine Talk-Runde mit Gehalt

Ein weiteres Festival-Highlight bildete der Experten-Talk am frühen Freitag Abend.

Digitale Kulturerlebnisse würden auch Türen öffnen, erzählte Benjamin von Blomberg vom Zürcher Schauspielhaus. Wer Hemmungen habe, eine Oper im Theaterhaus zu besuchen, finde mit dem Stream einen Einstieg, welcher früher nicht zur Verfügung gestanden habe.

Adrian Kübler, Sänger von Baba Shrimps, bot Einblicke in die neuen Aufgaben, welche die Organisation einer Livestream-Tournee für die Band mit sich brachte. «Früher konnte man sich beim Veranstalter ins gemachte Nest setzen und losspielen, nun mussten wir uns um alles selbst kümmern», fasste er die Herausforderung zusammen.

Markus Maria Enggist vom Theater Matte in Bern machte darauf aufmerksam, dass man es auf keinen Fall versäumen dürfe, nebst allem digitalen Experimentieren auch online Geld für die gebotene Kunst zu verlangen.

Der Komiker Christian Höhener vom Duo Lapsus freute sich auf zukünftige Umsetzungen, wie diese Virtual Reality bieten kann. Er meinte: «Im Livestream kann ein falscher Schnitt die Pointe vernichten. In einer digitalen 3D-Welt kann man jedoch wieder mit dem Publikum interagieren, was spannende Möglichkeiten bietet.»

Dass solch futuristisch scheinende Umsetzungen gar nicht mehr so weit weg sein müssen, zeigte ein eingespieltes Interview mit Tina Lorenz vom Staatstheater Augsburg. Dort wird bereits heute Theater in Virtual Reality produziert und online angeboten.

Neue Auftrittsformen sind gesucht

Kleinkünstlerin Gülsha Adilji betonte in der Diskussionsrunde ihrerseits, dass Digitales kein gleichwertiges Erlebnis bietet wie der Auftritt auf der Bühne – besonders für die Künstlerin. Ein Eindruck, den auch andere Künstler nach ihrem Auftritt bestätigten. Es fehlt der Applaus, es fehlt das Lachen, es fehlt die Reaktion im Gesicht des Publikums.

Hier stehen nun Hausaufgaben für die Branche an. Da das Publikum offenbar bereit ist, sich auf digitale Kultur einzulassen, ist es an den Kulturschaffenden, dieses Bedürfnis ernstzunehmen. Es müssen vermutlich neue Auftrittsformen gefunden werden, welche einerseits den Künstlerinnen und Künstlern die Freude des Liveauftritts bereiten, andererseits aber auch den aufkommenden Wünschen des Publikums entsprechen.

Das Grundrezept, diese spannende Entwicklung nicht zu verpassen, lautet: früh beginnen, die Bedürfnisse des Publikums kennenlernen und ernstnehmen, experimentieren und adaptieren. Und dabei von Beginn weg Geld für die eigenen Inhalte verlangen.

Die Zeit ist reif für digitale Kultur

Ticketpark freut sich, die kommenden Entwicklungen gemeinsam mit Ihnen zu entdecken. Seien es Livestreams oder Video-on-Demand oder hybride Anlässe, die online und offline kombinieren: Kommen Sie einfach auf uns zu. Wir tauschen gerne unser Erfahrungen aus. Gemeinsam entdecken wir die Zukunft!