News und Beiträge ·  4. Januar 2021

Einblick in ein Jahr mit Pandemie in der Veranstaltungsbranche

Die Aussichten waren rosig für das Jahr 2020: Die Zusammenarbeit mit tollen neuen Kunden stand an, der Sommer war bereits prall gefüllt mit spannenden Freilichttheaterproduktionen und Schwingfesten, die Winter- und Business-Eventsaison versprach viel, das Team war voller Tatendrang und alles sah danach aus, dass wir wie in den Vorjahren ein schönes Wachstum hinlegen würden. Das erste Quartal unterstrich diesen Anspruch: es begann sehr gut.

Irgendwo in China machte sich zwar ein neues Virus breit. Doch das war weit weg, geographisch und gedanklich. Das Geschäft brummte und wir steckten mitten in Anstellungsgesprächen für neue Entwickler.

Doch es sollte anders kommen. Es folgt ein Rückblick und Einblick. Wir haben uns überlegt, ob wir tatsächlich so offen aus dem Nähkästchen plaudern sollen und wir sind zum Schluss gekommen, es zu tun. In einer Zeit, in welcher Abstand halten das Mass der Dinge ist, wollen wir mit diesem Blick hinter die Kulissen Nähe schaffen.

Es ist uns gelungen, so denken wir, in einem Jahr, welches unsere Branche auf den Kopf gestellt hat, positiv und zukunftsgerichtet zu bleiben. Die nachfolgende Erzählung soll zeigen, wie uns die Konzentration auf das Wesentliche dabei geholfen hat.

Die Pandemie erreicht die Kulturbranche

Am 28. Februar änderte sich alles. Der Bundesrat rief an diesem Tag die besondere Lage aus und untersagte per sofort die Durchführung aller Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern.

Noch wussten wir nicht, was dies in der Praxis alles auslösen würde. Eins war aber klar: Information musste nun an erster Stelle stehen. Umgehend stellten wir den Tagesbetrieb um und fokussierten uns darauf, Wissen zusammenzutragen und alle unsere Kunden, die in der betroffenen Zeit einen Anlass geplant hatten, aktiv zu kontaktieren.

An diesem Tag entstand die erste Version unseres Blog-Beitrags, welcher bis Ende Jahr mit mehreren hundert Updates stets auf dem aktuellen Stand gehalten und zur zentralen Anlaufstelle für Informationen rund um die Eventveranstaltung während der Pandemie wurde. Besonders beliebt war in der ersten Phase das Flowchart, welches half, die nächsten Schritte zu planen.

Die Corona-Task-Force in vollem Einsatz: Während der ersten Informationsrunde im Frühling kam das Mittagessen vom Pizzakurier während wir unsere Kunden persönlich informierten.

Viele Absagen, viel Solidarität, viele Entscheidungsfindungen

Innert weniger Tage wurden viele neue Features gebaut, um den Umgang mit der wachsenden Zahl von Event-Absagen und den damit einhergehenden Rückerstattungen zu erleichtern. Was am Anfang noch mit vielen Einzelmails und Excel-Listen abgewickelt werden musste, wurde Schritt für Schritt automatisiert und standardisiert. Da waren wir zum Glück ziemlich schnell, denn einzelne Kantone verschärften die Massnahmen bereits. Vom Theater übers Schwingfest bis zum Konzert: Die Menge der Absagen und Verschiebungen nahm zu. Und alle hatten grossen Informationsbedarf. Wir gaben unser Bestes, diesen decken zu können, aber noch war vieles schlichtweg nicht klar. Die Situation war neu für alle.

Zu unserer Freude war seitens Kulturbesuchern viel Solidarität zu spüren. Die von uns neu eingeführten Möglichkeiten, den Ticketbetrag ganz oder teilweise zu spenden, wurden in grossem Masse in Anspruch genommen. Das war eine grosse Hilfe für die Veranstalter. Besonders Events, die sehr kurzfristig betroffen waren, hatten bereits grosse Ausgaben getätigt und standen nun aufgrund der ausbleibenden Ticketeinnahmen vor einem klaffenden Loch in der Kasse. Noch war unklar, ob und wie diese finanziellen Einbussen gedeckt würden.

Auch wir wussten noch nicht so recht, wie wir die finanzielle Seite handhaben sollten. Verrechnen wir unsere Dienstleistungen den betroffenen Veranstaltern oder nicht? Wir einigten uns auf diese Formulierung: «Wir sind bemüht eine faire, der Situation angemessene Lösung zu finden und prüfen jeden Fall individuell. Wir vertreten die Meinung, dass der entstandene Schaden in der Branche aufgeteilt werden soll, so dass nicht nur der Veranstalter, aber auch nicht nur die Partner davon betroffen sind.» In der Praxis bedeutete dies, dass wir einen grosszügigen Rabatt gewährten, solange es noch keine offiziellen Entschädigungsmassnahmen gab.

Am 4. März war in unserem Slack zu lesen: «Da kommt noch mehr. Machen wir einen eigenen Channel #corona». Eine gute Entscheidung. 716 Nachrichten finden sich bis Ende Jahr in diesem Kanal.

Eine dieser Nachrichten definierte einen weiteren Grundsatz, wie wir uns während der Pandemie verhalten wollten. Immer mehr Kulturschaffende machten nämlich ihrem Unmut gegenüber den Entscheidungen der Politik in den sozialen Medien Luft. Im vollen Verständnis für deren Nöte, einigten wir uns darauf, unsere Kräfte dort einzusetzen, wo wir am meisten bewirken konnten: in der Dienstleistung gegenüber unseren Kunden. Es war nicht an uns, Sinn und Unsinn der Entscheidungen der Behörden zu bewerten, sondern den Veranstaltern auf praktische Weise zu helfen, diese Bestimmungen umzusetzen.

Das war eine Vorgehensweise, die sich bewährte. Es gelang uns, mit Fokus auf die echten, akuten Kundenbedürfnisse und einem Extra-Effort im Support den Veranstaltern das Leben zu erleichtern und so die Freude an der Arbeit zu behalten. Belohnt wurden wir in den folgenden Wochen immer wieder mit mit Feedbacks wie diesen:

«Ich kann eure ganze Kommunikation sowie den sehr informativen Blog nur loben. Tolle Arbeit in dieser nicht ganz leichten Zeit.»

«Schon jetzt möchte ich dem ganzen Team von Ticketpark herzlich danken für die speditive und lösungsorientierte Zusammenarbeit in den hektischen Corona-Wochen. Besonders freute es mich, wenn ab und zu sogar noch ein Augenzwinkern mit dabei war.»

Die Sache gewinnt an Tempo …

Am Donnerstag, 12. März kamen wir am firmeninternen Krimidinner nicht nur erfolgreich dem royalen Mörder auf die Spur, sondern auch den im Team schlummernden schauspielerischen Talenten. Zwar machten ein paar Textnachrichten die Runde, dass angeblich bald die Universitäten schliessen würden, doch dadurch liess man sich den fröhlichen Abend nicht verderben.

Tags darauf waren wir jedoch bald wieder in der Realität: Der Bundesrat verschärfte die Massnahmen. Die Universitäten schlossen tatsächlich. Und die Durchführung von Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen wurde in der ganzen Schweiz untersagt. Erneut führten wir eine Informationsrunde bei allen Veranstaltern durch. Dieses Mal war es nicht mehr eine rein theoretische Information, sondern fast alle waren irgendwie betroffen. Die Besuchergrenze war nun so tief angesetzt, dass praktisch jeder Theaterverein aktiv werden musste.

Doch noch immer war das Ausmass, welches die Situation annehmen würde, nicht greifbar. Die Anzahl neuer Ticketbuchungen für Events ab Mai, welche noch nicht untersagt waren, blieb unverändert hoch. In guter Erinnerung bleibt auch ein Veranstalter, der uns telefonisch klarmachte, dass diese Einschränkungen für ihn wohl kaum relevant seien, da man diesen Virus in seinem Kanton nicht verschleipfe.

Und zugegeben: auch wir blieben optimistisch. Zwar erwarteten wir nun den einen oder anderen Monat unter den geplanten Zielen. Doch dieser kleine Dämpfer sollte uns nicht weiter aufhalten.


Die Pressekonferenz des Bundesrates am 13. März auf dem Bildschirm im Sitzungszimmer, während parallel unser Blog aktualisiert wird. Ein Setup, das es danach noch öfters geben sollte.

… und wird ernst

Am 16. März fragte Porky, unsere interner und neugieriger Slack-Bot, unseren Geschäftsführer Manuel: «Was meinst du, was deine Herausforderung der Woche wird?». Die Frage wurde mit vielen tränenlachenden Emojis kommentiert, denn der Humor kam uns glücklicherweise nie abhanden. Es war der Tag, an welchem der Bundesrat den Lockdown über die Schweiz verhängte. Als Folge wurde die Durchführung sämtlicher privater und öffentlicher Veranstaltungen untersagt.

Jetzt brachen die Ticketbuchungen ein. Erst jetzt – dafür fast auf Null. Allen wurde klar, was der Bundesrat seither oft wiederholt hat: Die Lage war ernst.

Am 19. März wurde das Team über die Einführung (und Funktionsweise) von Kurzarbeit informiert. Die vorbereiteten Arbeitsverträge für neue Mitarbeiter, auf welchen nur noch die Unterschrift fehlte, wurden zu Makulatur.

Im Büro kehrte Stille ein, denn das Team war ins Homeoffice gezügelt. Der Wechsel lief reibunsglos. Wir hatten schon lange auf das Ziel hingearbeitet, dezentral funktionieren zu können. Nur kurz davor hatten wir den letzten dafür notwendigen Schritt unternommen und unsere physischen Telefone gegen virtuelle Softphones ausgetauscht. Die Firma war technisch und mental für diesen Wechsel bereit und bleibt dauerhaft im Homeoffice. Der Bundesrat hatte uns nur noch die Festlegung des Termins abgenommen.


Gesammelte Eindrücke in die teilweise noch improvisierten Homeoffices am ersten offiziell voll dezentralen Tag.

Die Event-Welt wird digital

Es wurde fleissig gearbeitet in den Heimbüros. Bereits am 30. März erblickte unsere Livestreaming-Lösung mit integriertem Ticketing die Welt, eine praktische Lösung für Online-Events, mit Vorverkauf und Streamingplattform aus einer Hand. Für uns war klar: Die Digitalisierung hatte nun auch die Bühne erreicht.

Innert kurzer Zeit wurden Fitnesstrainings, Webinare und Konzerte über unsere Plattform abgewickelt. Im Verlauf des Jahres konnten wir Anlässe für verschiedene national tätige Firmen sowie grosse Konferenzen abwickeln. Eine ebenfalls ins Ticketsystem integrierte Video-on-Demand-Lösung ergänzte im Verlauf des Sommers das Angebot für digitale Events.

Die Standortförderung des Kantons Bern unterstützte diese innovativen Entwicklungen mit einem fünfstelligen Betrag. Bereits kurz zuvor erhielten wir einen COVID-Kredit unserer Hausbank zugesprochen, um die Liquidität für die anstehende Zeit sicherzustellen. Es war richtig und wichtig, die finanzielle Entwicklung der Firma stets im Blick zu behalten und auch über neue Unterstützungsmassnahmen des Bundes auf dem Laufenden zu bleiben. So konnten wir sicherstellen, auf Kurs zu bleiben. Dies immer auch unter Einhaltung des Grundsatzes, dass Einnahmen, welche den Veranstaltern gehören, unangetastet bleiben und auf keinen Fall zur Deckung von Firmenausgaben verwendet werden.

Immer konkreter wurde in dieser Zeit die Idee, ein Streaming-Festival zu organisieren – ein Konzept, welches bereits seit ein paar Jahren in unseren Köpfen herumschwirrte, aber bis dahin immer ein bisschen der Zeit vorausgegriffen erschien.

Der Sommer findet statt

Mit den wärmeren Monaten kamen Erleichterungen der behördlichen Massnahmen. Das Team freute sich über gemeinsame Ausflüge zum Segeln oder ins Freilichttheater.

Verschiedene Anlässe, wie das Zürcher Theater Spektakel, konnten stattfinden, wenn auch in reduzierter Form. Sportklubs und Kulturhäuser planten ihre im Herbst startende Spielzeit, die Drucker im zentralen Büro spuckten fleissig Saisonkarten aus. Der Bundesrat fasste sogar die erneute Durchführung von Grossanlässen ins Auge und gestattet diese auch per anfangs Herbst.

Wir waren bereit. Und auch unsere neuen Features, mit welchen Veranstalter ihre Sicherheitskonzepte mit wenigen Klicks im Ticketsystem abbilden konnten: Social Distancing, Maskenpflicht, Contact Tracing.

Fast schien es, als könnte der Spuk bald ein Ende haben.


Sommerlicher Teamausflug ins Freilichttheater. Ein Hauch von Normalität lag in der Luft.</small >

Mit dem Herbst kommt die zweite Welle

Ende September stellte «10 vor 10» die Frage, ob es an der Zeit sei, die Maskenpflicht in den Läden aufzuheben. Unmittelbar darauf explodierten die Corona-Fallzahlen.

Den Einlass zur Verleihung der Best of Swiss Web Awards durften wir, nach mehreren Verschiebungen übers Jahr, gerade noch durchführen. Bereits am Tag danach wurde die Durchführung von Veranstaltungen wieder stark eingeschränkt und schrittweise im ganzen Land komplett untersagt.

Für uns bedeutete dies eine zweite Welle von Verschiebungen, Absagen und Rückerstattungen. Interessant war, das unterschiedliche Verhalten der Veranstalter zu beobachten. Einige sagten ihre Events bereits weit in die Zukunft hinaus ab. Andere blieben sehr optimistisch und planten jeweils einen Neustart am erstmöglichen Tag, welcher die aktuelle Gesetzeslage zuliess – und der in der Folge immer wieder häppchenweise nach hinten verschoben wurde und entsprechend neue Absagen und Verschiebungen nach sich zog.

Leider war nun der Moment gekommen, in welchem wir eine Kündigung aussprechen mussten. Ein schmerzhafter Schritt in unserem freundschaftlichen Team, doch der vorerst inexistente Geschäftsbereich der Business-Events mit Badge-Druck vor Ort liess uns keine Wahl.

Neues Jahr, neue Chancen

Wir hätten nun einfach in den Winterschlaf verschwinden können. Doch wir beschlossen, dass wir aktiv bleiben und etwas für unsere Branche tun wollten. Es war an der Zeit, die Idee des Streaming-Festivals definitiv umzusetzen. Dank tatkräftiger Unterstützung der Stadt Dietikon und des Teams vom GLEIS21 wird daher Ende Januar 2021 tatsächlich das von uns organisierte stream21 stattfinden, das erste Streaming-Festival der Bühnenkunst. Durch die grosszügigen Partner, die dieses Vorhaben unterstützen, können wir das finanzielle Engagement in einem vernünftigen Bereich halten. Wir freuen uns sehr darauf, mit diesem Festival einen ersten Höhepunkt im neuen Jahr anzustreben, neue Erfahrungen zu sammeln, uns dadurch im Gespräch zu halten und gleichzeitig der Kulturbranche etwas zurückzugeben.

Dass dies gut ankommt, zeigen diverse Feedbacks wie dieses, das bei uns reingekommen ist:

«Danke für eure Zuversicht, eure Arbeit und die Möglichkeit zu zeigen, dass es immer wieder neue Wege gibt.»

Diese Zuversicht nehmen wir mit ins neue Jahr. Wir gehen davon aus, dass uns die Pandemie noch das ganze Jahr 2021 durch mehr oder weniger begleiten wird. Wir sind dankbar für die unkomplizierte Hilfe, die man als betroffene Firma in unserem Land unter diesen Umständen bekommt. Gleichzeitig sind wir überzeugt, und erinnern gerne auch unsere Kunden und Partner daran, dass es nicht einfach wieder werden wird wie zuvor. Wer bestehen will, muss sich anpassen, neue Chancen packen und alte Zöpfe loslassen. Wir freuen uns auf diese neue, spannende Epoche unserer Reise!

Die Eckdaten zusammengefasst

Der Umsatz

Nach einem starken 1. Quartal ist das Ticketvolumen gegenüber dem Vorjahr stark eingebrochen. Die beiden Wellen der Pandemie sind deutlich erkennbar. Dank fortlaufend angepasster Planung ist es uns trotzdem gelungen, mit einem blauen Auge davonzukommen.

Ticketvolumen pro Kalenderwoche 2020 im Vergleich zu 2019 in %

In Anspruch genommene COVID19-Hilfsmassnahmen

  • Kurzarbeit
  • Erwerbsersatz für Arbeitgeber
  • COVID-19-Kredit
  • Innovationsunterstützung durch die Standortförderung des Kantons Bern

Teamanpassungen

  • 2 Mitarbeiter nicht ersetzt,
    wobei 1 Nachfolger-Vertrag nur noch Formsache war
  • 1 Kündigung

Anpassungen am Produkt

Die Zukunft
… wird digital, auch in der Kultur. Entdecke mit uns die Möglichkeiten, Chancen und Herausforderungen am stream21.