Gab alles: David Hasselhoff in Bern

von Ulrich Hahn

Zum Abschluss seiner «The Hoff is back»-Tour 2011 durch Österreich, Deutschland und die Schweiz zeigte David Hasselhoff in der Berner Bea Expo Halle ein beeindruckendes Comeback. Zwar sichtlich gealtert, aber in guter physischer Verfassung überraschte er nicht nur seine Fans, sondern auch manchen Kritiker positiv.

Für mich lässt sich dieser Abend sehr gut in ein Wort zusammenfassen: Überraschend. Oder auch in einen Song: “I’ve eben looking for freedom”. Und wer denkt, David Hasselhoff würde dadurch, dass er dieses Lied als erstes spielt, das Pulver gleich zu Beginn verschiessen, der irrt. Denn: Er spielt es auch zum Schluss.

Und so kommen mir die 3 Stunden und 24 Lieder zwischen der «Freiheitssuche» nur wie ein Lückenfüller vor. Zu oft wurde dieser Song von Fans nach und vor dem Konzert oder in diversen Trailern, die auf die Bühnenleinwände projiziert wurden, angestimmt.

Doch eins nach dem anderen: Die erste Überraschung & oder sagen wir: den ersten Schock & erlebe ich angesichts des jungen Publikums. Ich hatte erwartet, hauptsächlich Leute im Altersbereich des 58jährigen Knight Riders anzutreffen. Solche gibt es zwar auch, doch die grosse Mehrheit bewegt sich zwischen geschätzten 20 und 35jährigen Zuhörern. Einige davon mit David-Perücke, Baywatch-Boje oder «Donʼt hassel the Hoff»- Shirts.

Als mit 50minütiger Verspätung endlich das Licht im Saal erlischt, kennen die rund 2000 Besucher kein Halten mehr, springen von ihren Stühlen auf dieselben, oder rennen gleich in den vier Meter breiten Raum zwischen Bühne und der vordersten Stuhlreihe. Auf zwei Grossleinwänden erscheint ein wirrer «The Hoff»-Trailer, eine Mixtur aus «Knight Rider», «Baywatch» und seines Auftrittes auf der Berliner Mauer 1989. Dazu werden unter eingespielten «David, David»-Sprechchören seine Erfolge als Sänger und Schauspieler eingeblendet. Fast so, als müsse man dem Publikum erst einmal in Erinnerung rufen, welcher Held hier gleich die Bühne betritt. Wie ein Mann des Volkes bahnt sich David durch das Publikum laufend mit Hilfe einiger Sicherheitsleute den Weg auf die Bühne.

Und da steht er: Der Jugend- und Frauenheld, der sich in den letzten Jahren eher für Alkoholentgleisungen als für Geradlinigkeit einen Namen machte. Er hat darauf verzichtet, sich die Haare zu färben, was ihn nicht unbedingt schlecht, sondern fast schon authentisch aussehen lässt.

«Looking For Freedom!»

Es folgt die zweite Überraschung: David kann singen. Nicht berauschend. Aber für deutsche Volkslieder in englischer Sprache reicht das allemal. Er singt tatsächlich live und macht auf der Bühne einen enorm präsenten Eindruck und zeigt, dass er ein wahrer Showman ist.«Is everybody happy», will er von uns wissen. Wir bejahen lautstark. Er übertrumpft uns mit einem «Ich liebe euch alle». Der Saal tobt und David ist sich sicher: «You are one of the best audiences yet». Noch nie einen solchen Satz gehört bei einem Konzert.

Es folgt eine intensive Show, die vor allem ihn, den meist gesehnen Serienstar dieses Planeten, schwitzen lässt. Begründet durch zahlreiche Garderoben-Gänge, nach denen er mal als Rocker mit Lederjacke, mal mit einem etwas zu grossen hellblauen Anzug, mal als Mitch Buchannon, den Bademeister in roter «Baywatch»-Jacke, zurück auf die Bühne stolziert. Den ersten Teil des Konzertes schliesst er mit seinem «brandneuen» Song «You are a hero» ab. Für mich tönt er stark nach einer Kopie von «YMCA» von Village People. Allein auf eine Melodie verzichtet er bei dieser Version fast gänzlich. Ich wunderte mich lange über seinen Textsicherheit bei so vielen Liedern, bis ich den Teleprompter entdeckte, der ihm dabei etwas unter die Arme griff. Doch kann man es ihm eigentlich nicht übelnehmen, zumal doch so viele Lieder ähnliche Texte haben und man da schnell mal durcheinander kommen kann.

In der 45minütigen Pause gab es genug Zeit, sich zum Beispiel mit «I love the Hoff»- Kaffeetassen auszurüsten, oder ein Bild mit K.I.T.T., dem Knight-Rider-Auto zu machen. Die Fortsetzung des Konzertes begann mit David als «Secret Agent Man» im James Bond Look, bevor bei den nächsten drei Liedern kuscheln und schunkeln angesagt war. Gekrönt von dem Moment, auf den ich den ganzen Abend gewartet hatte: Ein deutsches Lied. Zwar ist es nicht «Du», mein absoluter Favorit, sondern «Wir zwei allein heut Nacht». Ein wahrer Ohrenschmaus. Nach weiteren Songs, die man irgendwo zwischen DJ-Ötzi und Wolfgang Petry einordnen kann, steht noch einmal «Looking for freedom» an und

David holt noch einmal alles aus sich und seinem Publikum heraus. Und eines muss man ihm wirklich lassen: Er hat es anscheinend geschafft, sich nach hauptsächlich schlechten Schlagzeilen wieder aufzuraffen, und mit viel Engagement seinen Fans eine tolle Show zu bieten. Apropos Fans: Bei meiner nicht repräsentativen Umfrage mit einer Stichprobengrösse von vier Personen haben 100 Prozent das Konzertticket bei einem Radio-Gewinnspiel gewonnen.

Auf dem Heimweg begleitet mich ein Lächeln angesichts der vielen Eindrücke, die mich zum Schmunzeln brachten und ein Ohrwurm, der sich droht in Kopfweh umzuwandeln. Kurz vor dem Einschlafen schaffe ich es, diesen dank Kylie Minogue endlich zu bekämpfen, und verabschiede mich mit «I just canʼt get you out of my head» ins Land der Träume.

Mehr Bilder gibts auf unserer Facebook-Seite.

Fotos: Eleonora Stassi
In Zusammenarbeit mit Taifun Music und Semestra.